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Lesung: Das Mädchen auf dem Eisfeld

3. November | 18:30 21:00

Gelesen von Günfer Çölgeçen, Musik von und mit Filip Alilovic

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Das Buch der Schauspielerin Adelaide Bon macht sexuellen Missbrauch zum Thema. Als sie neun ist, spricht ein Mann sie im Hauseingang an und missbraucht sie. Sie schafft es, ihren Eltern davon zu erzählen, sie gehen zur Polizei. Doch nichts kann die Leere füllen, den Selbsthass betäuben, den sie in sich spürt und mit enormer Energie zu verbergen versucht.

Adelaide Bon beschreibt bilderreich, schonungslos und präzise ihren Kriegszustand, in dem sie sich danach über Jahre befindet. Jahre, in denen sie Worte sucht, um sagen zu können, was ihr passiert ist und welche Auswirkungen es auf ihr Leben hat. Jahre, die geprägt sind von Schweigen, einer innerlichen Zerrissenheit, Realitätsverwirrungen, erfolglosen und erfolgreichen Therapieversuchen. Wie lässt sich eine Vergewaltigung in Worte fassen, dazu, wenn man Kind war? Erst als erwachsene Frau bringt sie den Begriff Vergewaltigung mit dem Erlebnis in Verbindung, das sie so perfekt von sich abgekapselt hat und das doch ihr Leben so radikal bestimmt. Und erst jetzt kann der Prozess der Heilung wirklich einsetzen.

Der Autorin, die in ihrem Buch ihre Autobiografie verarbeitet, ist es gelungen, auch für Außenstehende, diesen schwierigen Prozess des Erkennens, der Konfrontation und einer möglichen und unmöglichen Heilung zu erzählen. Hochreflektiert und mit starken Bildern macht Adélaïde Bon die Unermesslichkeit einer solchen Verletzung erfahrbar. Adelaide Bon beschreibt mit beeindruckender Erzählkraft, wie sich neben einer individuellen, insbesondere eine öffentliche Auseinandersetzung, das Verhalten anderer Menschen und das Strafrecht Auswirkungen auf das Leben der Opfer hat. Mit der Dokumentation des Gerichtsprozesses zum Ende des Buches verdeutlicht sie die mangelnde Expertise vieler Gutachter und gibt auch den Opfern Raum, die noch keine Worte gefunden haben, sie anbringen konnten oder deren Fall verjährt ist.

Sexualisierte Gewalt ist aktueller denn je. Die Anzahl der Opfer steigt jedes Jahr, dennoch ist es in der Öffentlichkeit kaum thematisiert. Wie wollen das Thema erlebbar machen, sowie uns für die Stärkung der Rechte der Opfer und für die Prävention einsetzen. Ein anschließendes Forum mit Publikum und Expert:innen bietet sich an.

Lesung: Günfer Çölgeçen
Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin aus Bochum. Stationen ihrer Schauspiel-Engagements waren Stadt- und Staatstheater und diverse Off-Theater Bühnen. 2007 wird sie in der „Kritikerumfrage“ des Theater Magazins „theater pur” an dritter Stelle als beste Darstellerin in NRW benannt. Zwischen 92 und 2018 realisiert sie 25 Eigenproduktionen. Von 2018- 2020 leitet sie als künstlerische Leiterin die Bürgeroper an der Oper Dortmund. Als Filmschauspielerin drehte sie 2021 u.a. für den „Tatort“ . Für die Bühne spielt sie aktuell im Ensemble “ Wort und Herzschlag”, die „Mittelmeermonologe“. Des Weiteren spricht sie Audiobücher ein und ist für das Landesbüro Freie Darstellende Künste im Bereich Kulturmanagement tätig. Als hybrides Theater der Gegenwart erscheinen ihre aktuellen Arbeiten unter dem von ihr 2009 gegründeten Theaterlabel Freie Radikale. Das Profil fokussiert Theaterproduktionen mit postmigrantischem und transkulturellem Schwerpunkt.

Musik: Filip Alilovic
Klassischer Gitarrist, Musiklehrer und Komponist aus Dortmund. Als Kind kroatischer Emigranten kam er schon früh mit der Musik seines Herkunftslandes und der „westlichen“ Musik in Berührung. Er schloss seine musikalische Ausbildung bei Prof. Frank Gerstmeier 2011 ab. Komposition und Musiktheorie lernte er unter anderem bei Reinhard Michel und Prof. WernerSeiss. In seinen Auftritten spielt er Werke aller Epochen, sowie eigene Werke. Neben der Gitarre komponiert er für verschiedene Ensembles und Instrumente. Aktuell arbeitet er als Komponist und Bühnenmusiker. Seit 2020 spielt er als Bühnenmusiker für die Bühne „Wort und Herzschlag“ in dem Stück „Mittelmeermonologe“

Eine Veranstaltung des Gleichstellungsbüros der Kreisstadt Unna.
Infos zur Veranstaltung: gleichstellung@stadt-unna.de oder Tel. (02303) 103-789

© Bild: Maja Dorfer

Details

Datum:
3. November
Zeit:
18:30 – 21:00
Eintritt:
9,50€
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstalter

Gleichstellungsbüro der Kreisstadt Unna
Telefon:
(02303) 103-555
E-Mail:
gleichstellung@stadt-unna.de

Link zum Online-Ticketverkauf

https://pretix.eu/bereichkultur/2022-eisfeld/
Nicolaistr. 3
Unna, 59423
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